Pflegemodelle kurz vorgestellt
Dorothea Orem – Was kannst du selbst?
Orem beginnt an einer Stelle, die mir in der Pflege gefällt:
Der Mensch ist nicht zuerst Empfänger von Pflege.
Er sorgt für sich selbst.
Er lernt.
Er entscheidet.
Er versucht, sein Leben zu erhalten.
Pflege wird dort notwendig, wo zwischen dem, was ein Mensch für sich tun muss, und dem, was er gerade selbst tun kann, eine Lücke entsteht – das Selbstpflegedefizit.
Orem unterscheidet dabei drei Formen der Unterstützung:
Vollständig kompensierend
Ich übernehme.
Wenn du es gerade nicht kannst, tue ich für dich, was notwendig ist.
Teilweise kompensierend
Wir machen es gemeinsam.
Du tust, was du kannst.
Ich übernehme den Teil, bei dem du Unterstützung brauchst.
Unterstützend und anleitend
Du kannst es – vielleicht noch nicht allein.
Ich erkläre.
Zeige.
Ermutige.
Übe mit dir.
Und irgendwann brauchst du mich dafür vielleicht nicht mehr.
Für mich steckt darin eine ziemlich wichtige Grenze guter Pflege:
Nicht übernehmen, nur weil ich es schneller kann.
Nicht aus einem Menschen einen Pflegeempfänger machen, wenn ein wenig Zeit, Anleitung oder Vertrauen genügt.
Juchli fragt:
Was gehört zu deinem täglichen Leben?
Krohwinkel fragt:
Was kannst, brauchst und erlebst du dabei?
Orem stellt noch eine Frage daneben:
Was davon kannst du selbst – und wo brauchst du mich wirklich?
Vielleicht ist gute Pflege manchmal gerade daran zu erkennen,
dass sie sich an einer Stelle wieder überflüssig macht.
Pflege versucht weiter, das Leben zuzuordnen
damit nichts Wesentliches übersehen wird.
Liliane Juchli – 12 Aktivitäten des täglichen Lebens
(meine Lehre zur Schulzeit 1989)
Atmen
Sich bewegen
Sich waschen und kleiden
Essen und trinken
Ausscheiden
Die Körpertemperatur regulieren
Für Sicherheit sorgen
Ruhen und schlafen
Sich beschäftigen
Kommunizieren
Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten
Sinn finden im Werden, Sein und Vergehen
Juchlis ATL verstehen den Menschen körperlich, seelisch und sozial und dienten über Jahrzehnte als Struktur für Beobachtung, Pflegeplanung und Ausbildung.
Monika Krohwinkel – 13 AEDL
Aktivitäten und existenzielle Erfahrungen des Lebens
Kommunizieren
Sich bewegen
Vitale Funktionen des Lebens aufrechterhalten
Sich pflegen
Essen und trinken
Ausscheiden
Sich kleiden
Ruhen und schlafen
Sich beschäftigen
Sich als Frau oder Mann fühlen und verhalten
Für eine sichere und fördernde Umgebung sorgen
Soziale Bereiche des Lebens sichern
Mit existenziellen Erfahrungen des Lebens umgehen
Krohwinkel erweitert den Blick besonders um soziale Beziehungen und den Umgang mit existenziellen Erfahrungen. Das Modell wurde später zum ABEDL-Konzept weiterentwickelt.
Modelle helfen beim Hinsehen – leben, können und entscheiden soll der Mensch selbst..