Das Modell nach Orem gefällt mir, es gibt nicht nur dem Kunden Freiheiten, sondern auch mir. Hier erreichte Ziele sind von Dauer. Die Pflegebedürftigkeit hat Gründe. Die Suche nach Heilung, Erleichterung,... und Teilhabe. Oft störten mich Werbeversprechen im Gegenüber, meist teuer aber mit viel Hoffnung bedacht.. Unsicherheit kam direkt dazu mit ins Boot. Alte Familientraditionen die "schon immer geholfen haben" und viele andere Weisheiten. Die Kraft die hinter den Aussagen stand, fand ich unter anderem in der Werbung. Entweder die Zeitung für Heim und sonstwas, die Kurzvideos wo "Pipi gegen alles hilft"..mit den üblichen, Gelenke, Darm, Schmerzen , Generika, unsere Sorgen eben. Warum hatte ich hier soviel Widerstand
Der Mensch braucht Hoffnung, Glaube und Liebe
Um diese Arbeitsaufwände zu minimieren und wieder näher zum "so wenig wie nötig, soviel wie möglich" zu landen (Ich liebe meine Couch) liess ich mich oft genug in diese Werbewelt fallen und hatte viele Orgasmen mit ihr.
In meinem Medienrausch fielen mir ein paar Dinge bei mir auf:
Etwas wirkt auf mich.
Ein Duft.
Ein Plakat.
Eine Schlagzeile.
Ein Gesicht.
Ein Satz, der oft genug wiederholt wird.
Ein Sonderangebot.
Eine Angst.
Eine Mehrheit.
Ein Versprechen.
Das alles darf wirken.
Aber Wirkung ist noch keine Entscheidung.
Ich brauche nicht gegen jeden Reiz anzukämpfen. Ich kann ihm für einen Augenblick die Hand vom Ruder nehmen.
Ich als Pfleger frage mich
- Was nehme ich gerade tatsächlich wahr?
- Was wird mir gerade nahegelegt?
- Was davon weiß ich – und was soll ich nur fühlen?
- Wem nützt es, wenn ich diesem Impuls sofort folge?
- Und was möchte ich selbst?
Dafür helfen mir kleine Sätze:
Werbung :Du brauchst das.“ → Ein Wunsch ist noch kein Bedarf.
Duft und Sauberkeit: „So riecht sauber.“ → Sauberkeit hat keinen vorgeschriebenen Geruch. Ich rieche erst einmal nur einen Duft.
Schönheitswerbung: „So solltest du aussehen.“ → Ein Bild ist ein Angebot, kein Maßstab für meinen Körper.
Wahlplakat: „Nur wir lösen dieses Problem.“ → Ein Satz ist noch kein Argument. Ich darf nach Gründen fragen.
Politische Angstbotschaft: „Wenn das passiert, geht alles zugrunde.“ → Angst ist ein Signal, kein Beweis.
Mehrheitsbehauptung: „Alle denken so.“ → Viele Stimmen machen eine Behauptung nicht automatisch wahr.
Empörung im Internet: „Darüber musst du dich jetzt aufregen.“ → Ich entscheide selbst, was meine Aufmerksamkeit verdient.
Zeitdruck: „Nur heute! Jetzt entscheiden!“ → Zeitdruck ist Teil der Botschaft. Meine Entscheidung darf langsamer sein.
Autorität: „Experten sagen …“ → Wer genau? Worauf stützt sich die Aussage?
Wiederholung: „Ich höre es überall, also wird es stimmen.“ → Wiederholung erzeugt Vertrautheit, nicht Wahrheit.
Persönlicher Angriff: „Wenn du das anders siehst, gehörst du zu denen.“ → Ich muss keiner Gruppe beitreten, nur weil ich eine einzelne Frage beantworte.
Schuld: „Ein guter Mensch würde jetzt …“ → Meine Werte darf ich selbst prüfen.
Kaufversprechen: „Damit wirst du glücklicher, sicherer, begehrter.“ → Das Produkt und das versprochene Gefühl sind zwei verschiedene Dinge.
Und wenn für all das keine Zeit ist, reichen vielleicht vier Worte:
Wahrnehmen. Prüfen. Bei mir bleiben. Entscheiden.
Oder, für den Pflegepirat:
Leinen halten. Horizont prüfen. Kurs selbst setzen.
Der Sinn ist nicht, unbeeinflussbar zu werden. Das wäre vermutlich ebenso unmenschlich wie unmöglich.
Der Sinn ist, den kleinen Raum zurückzugewinnen, in dem aus einem Reiz noch keine Handlung geworden ist.
Nicht taub gegen die Welt.
Nur mit der Hand am eigenen Ruder.