Solange Luft da ist.
Atmen macht wenig Aufhebens um sich.
Meist bemerken wir es erst, wenn es schwerfällt.
Sauerstoff hinein, Kohlendioxid hinaus – Austausch, Bewegung, Leben. Und plötzlich wird aus etwas Selbstverständlichem eine der ersten Fragen der Pflege:
Wie bekommt dieser Mensch gerade Luft?
Ich habe gelernt, Atemfrequenzen zu zählen, Lagerungen zu verändern, Symptome zu beobachten und Werte einzuschätzen.
Aber Atmung besteht nicht nur aus Lunge.
Sie verändert sich bei Schmerz.
Sie wird kurz bei Angst.
Sie stolpert durch eine Panikattacke, sitzt vor einer Prüfung plötzlich oben im Brustkorb und kann in einem Moment der Sicherheit wieder ruhiger werden.
Der Atem verbindet Körper und Empfinden auf eine eigentümlich direkte Weise. Manchmal reagiert er auf etwas, lange bevor wir dafür Worte gefunden haben.
Und da ist die Nase – unser Eingang für Luft, Geruch und Erinnerung. Kalte Morgenluft. Kaffee. Krankenhaus. Haut. Meer. Ein Geruch kann beruhigen, warnen oder eine längst verschwundene Situation für einen Augenblick zurückholen.
Pflege darf deshalb auch hier erst einmal beobachten:
Nicht jeder schnelle Atem braucht dieselbe Antwort.
Nicht jede Atemnot kommt aus derselben Ecke.
Nicht jede Unruhe lässt sich mit einer Zahl erklären.
Manchmal braucht es Behandlung.
Manchmal eine andere Position.
Manchmal Sicherheit, Ruhe und jemanden, der nicht noch hektischer wird als der Mensch vor ihm.
Vielleicht ist der Atem die kleinste Bewegung, an der wir sehen können, wie Körper und Seele gerade miteinander auskommen.
Also erst hinschauen.
Hinhören.
Die Nase nicht vergessen.
Und dann – immer der Nase nach. sofern sie denn läuft