Die beste Hülle
Besser als Haut habe ich noch keine Verpackung gefunden.
Sie wächst mit.
Repariert sich.
Kühlt. Wärmt. Warnt. Fühlt.
Sie hält erstaunlich viel draußen und noch erstaunlicher viel von uns zusammen.
Und dann kommen wir.
Mit Cremes gegen das Alter.
Peelings gegen das, was sich ohnehin erneuern wollte.
Deo gegen den eigenen Geruch.
Parfum über Deo.
Waschmittel mit „Frische“.
Und Wäscheparfum, damit selbst frisch gewaschene Wäsche noch beweisen muss, dass sie frisch gewaschen wurde.
Sauber sein reicht offenbar nicht.
Man soll nach sauber riechen.
Glatt sein.
Gebräunt, aber bitte richtig gebräunt.
Jung aussehen, aber natürlich.
Keine Flecken. Keine Haare an den falschen Stellen. Keine Falten. Keine Poren, wenn es sich irgendwie vermeiden lässt.
Aus einer ziemlich hervorragenden biologischen Hülle wird eine Verkaufsfläche.
Und eine Statusfläche gleich mit.
Haut verrät Alter, Arbeit, Krankheit, Herkunft, Sonne, Narben und manchmal einfach nur Zufall. Menschen lesen darin trotzdem gern ganze Lebensgeschichten.
Ich habe Flecken auf meiner Haut.
Meine Haut scheint damit weniger Schwierigkeiten zu haben als manche Betrachter.
Sie macht einfach weiter.
Vielleicht mag ich sie gerade deshalb.
Denn Haut zeigt auch, wie schnell aus einem Unterschied ein Makel werden kann. Aus einer Farbe eine Schublade. Aus einer Narbe eine Frage. Aus Alter etwas, das versteckt werden soll.
Dabei ist Haut zuerst einmal nur die Stelle, an der wir der Welt begegnen.
Und die Welt uns.
Vielleicht braucht sie deshalb manchmal weniger Pflegeprodukte.
Und etwas mehr Respekt.